«

»

Jul
13

Manche Taxifahrer…

… können schon ziemliche Arschlöcher sein.

In der Nacht von Sonntag auf Montag musste ich nach einem hilflos-panischen Anruf einer mir wohlbekannten, etwas überalkoholisierten Person nochmal aus dem Bett auf die nächtlichen Straßen Berlins eilen, um eben jener Gestalt den eklatanten Mangel an Orientierungssinn auszugleichen und sie sicher nach Hause zu geleiten.

Nach etwa einer halben Stunde Suche, was nicht zuletzt vollkommen falscher Ortsbeschreibungen geschuldet ist, habe ich mein Zielsubjekt auch gefunden, mitsamt auf der Straße verteiltem Mageninhalt. Naja.

Die große Schwierigkeit war nun, dass ich mit meinem Moped unterwegs war (musste ja schnell gehen) und einen hochbehopften Sozius nun alles andere als gebrauchen kann. Deswegen war die einzige Alternative eben ein Taxi – gut, so weit war es zum Wohnort ja nicht.

Allerdings gestaltete es sich äußerst schwierig, die Taxifahrer zu motivieren, eine halbe Alkoholleiche sicher nach Hause zu befördern: Der erste nahm schon reißaus, nachdem er angehalten und seinen potenziellen Passagier gesehen hatte. Arschkrampe. Na gut, was solls, ist ja nicht das einzige Taxi in Berlin. Der zweite Fahrer ließ sich ja immerhin ansprechen, jedoch machte er schon bald in gebrochenstem und gefluchtem Deutsch seinen Standpunkt klar, dass er wohl wenig Interesse an Mageninhalt im Fondbereich des Taxis hat. Auch mein, sagen wir, etwas eindringlicher Hinweis auf die Beförderungspflicht seinerseits hat ihn dabei weniger interessiert. Ich hätte mir die Konzessionsnummer merken sollen…

Das dritte Taxi dann endlich, mit einem freundlichen, höflichen, wenn auch etwas resigniert wirkenden Fahrer (Nein, Sash, du nicht!) konnten wir dann auch endlich nutzen. Es ist übrigens rein verschmutzungstechnisch wenig bis gar nichts passiert…

Die Krönung habe ich dann erst gestern abend erfahren, wo mir (wieder nüchtern) berichtet wurde, dass eben jene Person bereits vor Ihrem telefonischen Hilferuf wohl schon in einem Taxi gesessen hatte. Dieser Fahrer hatte aber wohl die Chuzpe, als ein Übergebungsvorfall bevorstand, eine hilflose, stark alkoholisierte und orientierungslose Person einfach aus dem Taxi zu werfen und unerkannt in der Nacht zu verschwinden. Ich hoffe, er hat an einem Baum Feierabend gemacht…

Ich bin sehr froh zu wissen, dass es genügend ordentliche Taxifahrer gibt, die ihre Pflichten kennen und nach wie vor hilfsbereit gegen Entlohnung durch die Berliner Nacht cruisen, immer in dem Wissen, dass die nächste Tour eben auch mal unangenehm werden kann. Aber diese drei sollen von mir aus künftig in der Hölle mit kaputten, stinkenden Autos mit einem Dreizack im Hintern fahren…

6 Kommentare

  1. Sash sagt:

    Ach, und ich hätte sogar gearbeitet am Sonntag. Ausnahmsweise mal…

    Ich hab noch keinen kotzenden Fahrgast abgelehnt, aber zugegeben: Auch ich war schon kurz davor. Bei einem nüchternen Helfer wie dir, Jo, hätte ich mir allerdings weniger Sorgen gemacht. Naja, das ist trotzdem eine schwierige Geschichte. Was aber natürlich nicht geht, ist keine sonstige Hilfe anzubieten.

    Und jemanden rausschmeissen? Da hört der Spaß auf. Im Übrigen hatte ich eine Kotz-Tour auch eben am Sonntag. Da meinte mein Fahrgast einfach:
    “Du, halt mal kurz an, mir ist übel.”
    Er ist ausgestiegen, hat sich hingesetzt, ein paar Minuten mit glasigen Augen vor sich hingereihert, dann ist er wieder eingestiegen und ich hab ihn heimgebracht. Hat ihn vielleicht 1,40 € mehr gekostet, alle waren zufrieden und gut ist. SO geht das!

  2. Jo sagt:

    Völlig richtig. Ärgerlich, dass ich mir von den beiden ersten Kollegen nicht die Konz-Nummer gemerkt habe… und vom unbekannten Allerersten natürlich auch nicht. Deswegen wird sowas wohl so gut wie nie geahndet :-(

    Deine Vorgehensweise ist völlig in Ordnung und auch löblich. Aber daran habe ich eh nie gezweifelt :w00t:

  3. Sash sagt:

    Wieso hast du eigentlich kein Handy-Theme? Nicht sehr komfortabel für Neulinge wie mich. ..

  4. Mariha sagt:

    Die Beförderungspflicht gilt nicht wenn der Fahrer vermuten muss dass sein Fahrzeug beschädigt/beschmutzt wird, wenn die Wahrscheinlichkeit hoch ist dass der Fahrgast nicht zahlen kann oder will wenn er Angst haben muss angegriffen, bepöbelt oder überfallen zu werden. Von dieser Seite hatten alle Fahrer absolut das Recht die Fahrt abzulehnen, hätte ich wahrscheinlich nicht anders gemacht. Außerdem hast du dein Zielsubjekt ja auch selbst kaum finden können, so schlecht konnte er sich artikulieren. Den ( an der Situation des Hilfebedürftigen übrigens absolut unbeteitigt ) Fahrern dann auch noch den Tod an den Hals zu wünschen ist auch mehr als daneben wie ich finde. Wer sich dermaßen besäuft dass er nicht mal von Taxis mitgenommen wird sollte sich vielleicht lieber über seinen Drogenkonsum Gedanken machen und nicht die Schuld bei anderen suchen.

  5. Jo sagt:

    @Mariha
    Prinzipiell hast du natürlich recht, allerdings muss ich dir dann doch ein paar Argumente in den Weg legen:
    a) An der Artikulation scheiterte es nicht, sondern eher an mangelndem Orientierungssinn – der wäre nüchtern sicherlich nicht viel besser gewesen :w00t:
    b) Prinzipiell ist die Beförderungspflicht nicht gegeben, das stimmt wohl. Allerdings ist es im ersten beschriebenen Fall einfach mal so, dass der Ton die Musik macht, und ich es nicht einsehe, mich vollpöbeln zu lassen, weil ich versuche, für eine offensichtlich hilflose Person zu sorgen. Im Zweiten Fall war es so, dass der Fahrer offenbar schon die Fahrt begonnen hat, die Person dann aber wieder des Fahrzeugs verwiesen hat – sogar noch eine Nummer krasser als in einem bekannten Fall, über den nicht nur Torsten hier geschrieben hat: http://www.taxi-blog.de/wordpress/verkehrt/1362/aussetzung-mit-todesfolge/
    c) muss ich für die Person sprechen, dass sie eigentlich immer weiß, wieviel sie verträgt, es ihr erster Filmriss überhaupt ist und dieser durch nur zwei, drei Gläser Rotwein ausgelöst wurde, wie es scheint – ob da vielleicht noch was anderes drin war, wissen wir nicht, jedenfalls wenn dann nicht mit Wissen der Person…

    Und sorry, wenn ich in dem Posting etwas überdeutlich wurde, aber hier war ich emotional doch etwas sehr beteiligt ;-)

  6. Mariha sagt:

    Na gut, wenn ich ihn bereits im Wagen hab und er dann reihern muss, halten wir an, er bekommt Gelegenheit sich zu entleeren und ein Stück Zewa zum Abschluss, dann gehts weiter.
    Zu der Fürsorge: Wenn ich Bedenken habe, dass dieser Person, nachdem ich sie abgesetzt habe, etwas zustoßen könnte, warte ich bis sie im Gebäude verschwunden ist, oder, bei Abbruch der Beförderung z. B. weil die Person mir während der Fahrt erklärt ich solle mir mein Geld dann bei der städtischen Psychatrie abholen und es -10 Grad sind, rufe ich bei der Polizei an, die sagen mir dass sie da ein Auge drauf haben, der verwirrte Herr muss nicht erfrieren, überfahren werden o. ä. und ich bin aus der Haftung.

Hinterlasse eine Antwort

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.


*

Sie können diese HTML-Tags verwenden: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>